Kreislaufwirtschaft

Menschen produzieren Abfall. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, denn jedes Lebewesen erzeugt Abfallprodukte. Das besondere am Abfall des modernen Menschen ist aber die unvorstellbar große Menge: Allein die Länder der EU-27 produzieren jährlich rund 1,3 Mrd. Tonnen Müll. Würde man den Abfall verteilen, könnte man 2.600 Quadratkilometer, das entspricht ungefähr der Fläche des Saarlandes, mit einer halben Meter hohen Müllschicht bedecken. Weltweit werden jährlich 12 Mrd. Tonnen Abfall produziert, und bis 2020 wird diese Zahl aufgrund von zunehmender Urbanisierung und Bevölkerungswachstum sogar auf 18 Mrd. Tonnen ansteigen.

Die Abfallmenge korrespondiert mit der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes: je größer der Wohlstand, desto höher die Müllberge. Allein beim Hausmüll reicht die Spanne von rund 200 Kilogramm pro Einwohner und Jahr in Entwicklungsländern bis zu über 800 Kilogramm pro Einwohner in Industrienationen. Selbst innerhalb Europas gibt es deutliche Unterschiede. In der Tschechischen Republik fallen pro Person und Jahr durchschnittlich 281 Kilogramm Hausmüll an. Ein Durchschnitts-Däne stellt fast drei mal so viel vor die Tür.

Auf einen Blick

Die Anhebung der Umweltstandards bietet den Unternehmen im Leitmarkt großartige Wachstumschancen in den osteuropäischen EU-Mitgliedsländern.

Unternehmen im Teilmarkt der Emissionsreduktion sind die Spitzenreiter bei Rendite, Wachstum, Forschung und Umsatz.

Die boomende Wirtschaft in China, Indien und anderen aufstrebenden asiatischen Industriestaaten sowie das globale Bevölkerungswachstum steigern den Bedarf an innovativer Abfalltechnologie erheblich.

In Deutschland schrumpfen die Müllberge: Die Abfallmenge pro Kopf sinkt, obwohl die Wirtschaftsleistung steigt.

Wegweisende Politik: Deutschland will bis 2020 die Deponierung verwertbarer Abfälle beenden.
Erlebt eine Region einen wirtschaftlichen Aufschwung, wächst meistens auch der Müllberg. Zum Beispiel in Dubai: Der plötzliche Reichtum ließ allein zwischen 2006 und 2007 die Menge des Bauabfalls um 160 % wachsen.
Selbst wenn die Weltwirtschaft auf dem heutigen Niveau stagnierte – die globale Müllmenge würde dennoch steigen. Dafür verantwortlich ist die Zunahme der Weltbevölkerung. Nach Prognosen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2020 rund 8 Milliarden Menschen auf der Erde wohnen, über eine Milliarde mehr als heute. Ohne Verbesserung des globalen Abfallmanagements würde die Müllmenge allein durch das Bevölkerungswachstum bis 2020 um ein Sechstel steigen.

Die Folgen des globalen Abfallgebirges sind verheerend. Weil die meisten Länder auf der Welt keine Müllverbrennung oder andere Abfallbehandlung kennen, landet der größte Teil in der Natur. Die Deponierung von Müll verschandelt die Landschaft und gefährdet die Gesundheit des Menschen. Insbesondere „wilde“ Deponien können das Grundwasser vergiften, weil schadstoffverseuchtes Wasser in tiefer liegende Bodenschichten durchsickert. Rund 70 % des Abfalls in Entwicklungsländern sind organisches Material, das bei der Lagerung zu faulen beginnt. Dabei entweicht Deponiegas, ein etwa 14-fach stärkerer Klimakiller als Kohlendioxid.

Die Kosten der Wegwerf-Wirtschaft sind enorm. Die Vereinten Nationen schätzen, dass Städte und Gemeinden im weltweiten Durchschnitt zwischen 20 und 30 % ihrer Haushaltsmittel für die Sammlung und Entsorgung von Müll ausgeben. Der Müll bindet vor allem in wirtschaftlich unterentwickelten Ländern das knappe Geld, das für volkswirtschaftlich effizientere Investitionen in Ausbildung und Infrastruktur fehlt.

Die globale Ex-und-Hopp-Mentalität, gekoppelt mit der gestiegenen Nachfrage nach Rohstoffen, belastet auch die produzierende Wirtschaft. Die erhöhte Nachfrage hat bei gleich bleibendem Angebot die Rohstoffpreise explodieren lassen. Zwischen 2000 und 2007 haben sich Rohstoffe auf dem Weltmarkt auf Dollar-Basis um 100 % verteuert. Die Preise für Eisenerz, Stahlschrott und NE-Metalle haben sich sogar verdreifacht. Stahl war so begehrt, dass der Deutschen Bahn zwischen 2006 und 2008 rund 100 Tonnen Bahnschienen gestohlen wurden. Trotz des starken Rückgangs der Rohstoffpreise in der zweiten Jahreshälfte 2008 wird sich die Situation mittel- und langfristig nicht entspannen, auch aufgrund der starken Nachfrage seitens der aufstrebenden Schwellenländer. Die Knappheit der Rohstoffe und steigende Preise sind wesentliche Argumente, die Verwertung von Abfall künftig noch mehr zu forcieren.

Der wachsende Abfallberg stellt uns vor zwei Fragen: Wie kann ein angemessener Lebensstandard für die Weltbevölkerung erreicht werden, ohne dass die Menschheit im Müll erstickt? Und wie kann ökonomisches Wachstum erreicht werden, ohne dabei die Lebensgrundlagen von Mensch und Natur zu vernichten?

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