Nachhaltige Mobilität

Mobilität zählt zu den Grundvoraussetzungen moderner Gesellschaften: Eine funktionierende Wirtschaft ist auf eine gut ausgebaute Infrastruktur angewiesen. Und die Möglichkeit, sich ungehindert von A nach B zu bewegen, gilt als wichtiger Aspekt individueller Lebensqualität. Aber Mobilität hat ihren Preis. Die wachsende Verkehrsflut ist ein bedeutender Treiber der Klimaerwärmung und damit eines der zentralen Umweltprobleme: Auch ohne die Einberechnung des Flug- und Seeschiffsverkehr entsteht in der EU-15 etwa ein Viertel der direkten Treibhausgasemissionen verkehrsbedingt, weltweit ist es ein Achtel. Für den größten Teil dieser Emissionen – über 90 % – ist der Straßenverkehr verantwortlich. Das Verkehrsaufkommen und damit auch die Verkehrsemissionen werden weltweit zunehmen. Die Prognosen für die Entwicklung des Verkehrsektors bis zum Jahr 2020 sprechen eine deutliche Sprache:

Projektion Güterverkehrsaufkommen in der EU-27 bis 2020 [Bill. Tonnen-km]

Quelle: ProgTrans – European Transport Report 2007/2008

  • Das Güterverkehrsvolumen wird in Europa um mehr als ein Viertel steigen; über 80 % dieser Zunahme sind durch den Straßentransport bedingt (siehe Abbildung unten).
  • Das Personenverkehrsaufkommen auf der Straße wird in Europa um etwa ein Zehntel zunehmen (siehe Abbildung Seite 175 in der Druckversion).
  • Es werden 2020 doppelt so viele Flugzeuge weltweit unterwegs sein wie heute.
  • Die Pkw-Dichte in Deutschland wird weiter zunehmen: Auf 1.000 Einwohner kommen dann 630 statt heute 570 Fahrzeuge.
  • International sind noch rasantere Entwicklungen absehbar: In China werden 2020 wohl 100 Millionen Autos fahren – dreimal so viele wie heute.
Projektion Personenverkehrsaufkommen in der EU-27 bis 2020 [Bill. Personen-km]

Quelle: ProgTrans – European Transport Report 2007/2008

In den vergangenen Jahren konnten zwar die spezifischen CO2-Emissionen der Fahrzeuge teilweise beträchtlich verringert werden, aber die angestrebten Reduktionsziele wurden nicht erreicht. Zudem wurden die Fortschritte bei der Emissionsreduktion durch das Wachstum der Fahrzeugflotte und größere durchschnittliche Kilometerleistungen wieder kompensiert. Das Ergebnis: Im Gegensatz zu den Sektoren Landwirtschaft und Industrie, wo ein Rückgang erreicht werden konnte, weist der Verkehrssektor in Europa zwischen 1990 und 2006 eine Zunahme der CO2-Emissionen von fast einem Viertel aus. Weltweit steigt außerdem die Flächenversiegelung und Landschaftszerschneidung durch den Bau von Verkehrswegen. In vielen Großstädten wird der Smog immer dichter und die Lärmbelastung größer. Die wachsende Umweltbelastung gefährdet zunehmend die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen.

Auf einen Blick

9 % jährliches Marktwachstum bei Hybridfahrzeugen und rund 6 % bei der Verkehrstelematik bieten Unternehmen gute Wachstumschancen.

Dynamische Mittelständler und Großunternehmen aus Deutschland haben weltweit ein erstklassiges Renommee bei nachhaltiger Mobilität.

Innovationen treiben das Wachstum: Deutschland ist weltweit führend bei der Entwicklung effizienter Motoren und bei Abgasfiltern.

Nachhaltige Mobilität sorgt für Beschäftigung: Firmen aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sind die Rekordhalter. In diesen Bundesländern liegt das größte Beschäftigungspotenzial in diesem Leitmarkt.

Alternative Ideen liefern neue Produkte zur nachhaltigen Mobilität, etwa das 2-Liter-Auto, Container-Schiffe mit Segelantrieb oder das Kaltrecycling von Asphalt.
Güterverkehr: Von der Straße auf die Schiene

Die Bahn ist beim Energieverbrauch und bei den CO2-Emissionen in puncto Sparsamkeit unschlagbar: Sie braucht 45 Megajoule (MJ) Energie, um eine Tonne Fracht über 100 Kilometer zu transportieren, das entspricht circa 1,2 Liter Dieselkraftstoff. Demgegenüber liegt der Verbrauch auf der Straße mit 188 MJ bzw. 5,2 Litern mehr als viermal so hoch. Würde sich der Anteil der Bahn an der Transportleistung von heute 16% auf 25% erhöhen, wäre das eine Energieeinsparung von mehr als 66 Petajoule – dies entspräche etwa dem Anderthalbfachen des Jahresstromverbrauchs des Landes Berlin. Damit ließen sich CO2-Emissionen von circa 5 Mio. Tonnen vermeiden.
  • effiziente Antriebstechnologien wie kraftstoffsparende Otto- und Dieselmotoren, Elektro- und Hybridantriebe oder Brennstoffzellenfahrzeuge,

  • umweltfreundliche Fahrzeugtechnik und umweltfreundliches Fahrzeugdesign, zum Beispiel durch den Einsatz von Leichtbautechnologien, LED-Lampen oder die Verringerung des Luft- oder Rollwiderstands,

  • effiziente Logistikkonzepte im Güterverkehr,

  • Verkehrsmanagement, Verkehrsleitsysteme und Verkehrskonzepte wie intelligente Verkehrsleitung in Städten, Intermodalkonzepte zur Optimierung des Übergangs von einem Verkehrsträger auf den anderen oder Car Sharing,

  • umweltfreundliche Verkehrsinfrastruktur, zum Beispiel LED-Ampeln, Flüsterasphalt oder Einrichtungen zur Lärmreduktion wie moderne Lärmschutzwände.

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