Rohstoff- und Materialeffizienz

Langsam aber sicher gehen die Rohstoffe auf unserem Planeten zur Neige. Die Hälfte der weltweit abbaubaren Ölreserven ist bereits verbraucht, sodass die derzeit bekannten und nutzbaren Ölreserven in etwa 30 bis 40 Jahren erschöpft sein werden. Die jährliche Fördermenge lässt sich bereits heute nicht mehr signifikant steigern. In der Europäischen Union sind die Vorkommen vermutlich bereits in weniger als zehn Jahren leer gepumpt. Bei den Metallen sieht die Lage kaum besser aus. Die förderfähigen Blei- und Zinkreserven weltweit reichen gerade einmal 20 Jahre, die Kupferreserven werden vermutlich in einem ähnlichen Zeitraum wie die Ölvorkommen zur Neige gehen. Die Rohstoffe werden knapper, und ihre Gewinnung immer teurer. Gleichzeitig aber steigt die Nachfrage. Im Jahr 2020 werden rund acht Milliarden Menschen auf der Erde leben – das sind rund 20 % mehr als heute.

Auf einen Blick

Materialeffizienz ermöglicht Kostensenkungen bis zu 20 %, verringert den Rohstoffverbrauch – und entlastet die Umwelt.

Das Marktvolumen für Biokunststoffe steigt jährlich um bis zu 35%.

Die industrielle Biotechnologie wächst zweistellig. Die Chemiebranche setzt große Erwartungen in den Markt, der bis 2020 über 170 Mrd. Euro erreichen wird.

2020 werden weltweit bis zu 160 Mrd. Liter Biokraftstoff die Tanks von Verkehrsmitteln fĂĽllen.

Innovative Werkstoffe aus Deutschland verringern den Verbrauch von Ressourcen: So kann beispielsweise der Stahlverbrauch um 40 % reduziert werden. "FlĂĽssiges Holz" liefert der Kunststoff- und Automobilindustrie einen neuen Rohstoff.

Der Leitmarkt Rohstoff- und Materialeffizienz führt bei Investitionen für Forschung und Entwicklung – es werden hervorragende Wachstumschancen prognostiziert.
Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden mehr Menschen auch mehr Ressourcen verbrauchen. Steigender Wohlstand in Indien und China heizt die Nachfrage zusätzlich an. Zum Beispiel nach Kupfer: Der Weltjahresverbrauch ist von 1996 bis 2006 um 30 % gestiegen, 2005 entfielen dabei allein auf China 21 % des weltweiten Verbrauchs. Der Stahlverbrauch pro Kopf hat sich in China innerhalb von sechs Jahren mehr als verdoppelt.

Das globale Wirtschafts- und Bevölkerungs-
wachstum
hat die Rohstoffpreise in den letzten Jahren enorm in die Höhe geschraubt. Innerhalb von vier Jahren ist beispielsweise der Aluminiumpreis um 80 % gestiegen, Kupfer notierte sogar um 300 % höher. Mit der Preishausse hat sich auch die Spekulation im Rohstoffmarkt verstärkt. Dies führt zu enormen Preisschwankungen: Im Zuge der Kreditkrise im Jahr 2008 stürzten Kupfer und Aluminium auf Dreijahrestiefs. Die Abnehmer werden durch solche Volatilitäten zusätzlich verunsichert; den langfristigen Preisauftrieb werden solche Preisschwankungen wohl kaum reduzieren können.

Verknappung und Preisschwankungen beim Rohstoffangebot belasten vor allem die Industrie: Die Materialkosten schlagen mit einem Anteil von circa 40 % an den Gesamtkosten der Industriebetriebe zu Buche. Die Personalkosten betragen lediglich um die 25 %. Zudem ist Deutschland den Entwicklungen am Rohstoffmarkt besonders stark ausgeliefert, denn die Bundesrepublik verfügt nur über bescheidene Rohstoffvorräte.

Der Großteil des Bedarfs wird über Importe gedeckt. Dabei wuchs der Anteil der importierten Güter am gesamten Primärmaterialeinsatz in Deutschland von 26 % im Jahr 1994 auf 37 % im Jahr 2007. Damit führte die Bundesrepublik 2007 Rohstoffe im Wert von 76 Mrd. Euro ein. Umweltbelastungen, die mit der Entnahme von Rohstoffen verbunden sind, werden also zunehmend ins Ausland verlagert. Die hohe Importabhängigkeit hat in Deutschland und der Europäischen Union außerdem eine Diskussion über die Versorgungssicherheit mit Rohstoffen angestoßen.

Der global gestiegene Rohstoffverbrauch belastet die Umwelt erheblich. Rohstoffgewinnung, -transport und -verarbeitung erzeugen den Klimakiller Kohlendioxid und viele andere Schadstoffe.

Blickpunkt EU-Politik: Ă–kodesign fĂĽr StraĂźenbeleuchtung

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben im September 2008 zwei Vorschlägen der EU-Kommission zur Senkung des Energieverbrauchs in Europa zugestimmt: Nach den Ökodesign-Standards für Standby-Geräte wurden auch Normen für die Beleuchtung von Straßen, Büros und Industriegebäuden angenommen. Allein mit der Umsetzung der Richtlinie für die Beleuchtung soll bis 2020 so viel Strom eingespart werden, wie beispielsweise ganz Rumänien derzeit verbraucht. Die Verordnungen wurden im Januar 2009 offiziell von der Kommission verabschiedet.
Einzelne Rohstoffe werden inzwischen auch in entlegenen Regionen gewonnen, in denen die Förderung bislang nicht rentabel war: Öllieferungen aus Alaska oder aus Tiefseeförderanlagen, Erzgewinnung in Urwaldregionen – die gestiegenen Preise machen auch die Förderung von Rohstoffen unter höherem Kostenaufwand wirtschaftlich, allerdings zum Teil mit hohen Risiken für die Umwelt. Bei der Gewinnung von Rohöl aus den Ölsandvorkommen Kanadas ist der CO2-Ausstoß pro geförderter Tonne drei- bis fünfmal höher als bei der konventionellen Erdölförderung.

Zusätzliche Probleme schafft die ungeklärte Entsorgungsfrage, insbesondere bei giftigen Industrieabfällen, die Uran oder Blei enthalten. Verbrauchen die boomenden Schwellenländer Rohstoffe in Zukunft ähnlich ineffizient wie es in den Industrieländern auch heute noch häufig der Fall ist, wären die ökologischen Folgen verheerend: Bereits in den vergangenen 100 Jahren hat sich der Weltressourcenverbrauch – vor allem aufgrund der erhöhten Nachfrage in den Industrienationen – vervielfacht. Bei einer ebenso rohstoffintensiven Entwicklung der aufstrebenden Industrienationen wäre der Klimakollaps programmiert. Wir stehen vor einer großen Herausforderung: Wie können Wirtschaft und Wohlstand wachsen, ohne dabei die Lebensgrundlagen der Menschheit zu vernichten?

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